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Hans-Dieter Weber

Die Katze
Geschichten für Kinder (2014)


Leseprobe


Caro und Luna

„Wann gibt es Abendbrot?“

Caroline steckte die Nase zur Küchentür herein. Ihre Mutter war gerade dabei den Tisch zu decken.

„Du kannst mir helfen Caro, dann geht es schneller.“

„Na gut.“

„Stell bitte die Pfanne auf den Herd. Ich will Spiegeleier braten.“

Carolines Mutter holte Eier aus dem Kühlschrank.

„Wann kommt Vati?“

„Er wird gleich kommen.“

Caroline nahm Teller und Besteck aus dem Küchenschrank. Es klingelte. 

„Vati hat wohl wieder seinen Schlüssel vergessen.“ Caroline ging zur Tür um zu öffnen.

„Hallo Vati. Gleich gibt es Abendbrot.“

Caroline drückte ihrem Vater einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

„Guten Abend. Das ist prima, denn ich bin hungrig wie ein Wolf.“

Der Vater zog seine Schuhe aus, hängte die Jacke an der Garderobe auf und verschwand im Bad, um sich noch schnell die Hände zu waschen. Inzwischen waren die Spiegeleier fertig und der Tisch gedeckt.

„Mann war das heute ein anstrengender Tag“, stöhnte er und öffnete eine Flasche Bier. „Endlich Feierabend.“

Caroline saß am Tisch und schmierte sich eine Schnitte. Ihre Mutter stellte die heiße Pfanne mit den Spiegeleiern auf einen Untersetzer. Es duftete verführerisch.

„Bitte bedient euch.“

„Was macht die Schule?“ fragte der Vater.

„Ach alles soweit O.K. Haben heute eine Klassenarbeit in Bio geschrieben.“

„Worüber?“

„Wir sollten was über unsere Haustiere aufschreiben.“

„Komisches Thema“, stellte ihr Vater fest. „Und was hast du geschrieben?“

„Dass ich eine Katze hätte und viel mit ihr spielen würde.“

Ihr Vater schaute sie erstaunt an.

„Aber wir haben doch gar keine Katze.“

„Genau das ist ja mein Problem Vati. Alle Kinder in meiner Klasse haben ein Haustier, manche sogar mehrere. Nur ich darf keins haben.“

Carolines Gesicht lief rot an. Man konnte ihr ansehen, wie sehr sie dieses Thema bewegte.

„Ich finde das unfair. Warum seid ihr nur so stur?“

Endlich hatte sie Dampf abgelassen.

„Wir sind nicht stur. Aber wir haben nur eine kleine Wohnung und gehen alle arbeiten“, erwiderte ihr Vater.

„Das haben wir dir doch schon so oft erklärt“, sagte die Mutter. „Ein Haustier braucht regelmäßige Pflege. Das schaffen wir nicht.“

„Aber andere schaffen das doch auch Mutti. Das ist doch nur eine Ausrede.“

Den Vater ärgerten Carolines Worte.

„Wie redest du eigentlich mit deinen Eltern?“ fuhr er Caroline an.

Ihre Mutter war ebenso empört und sagte: „Das finde ich aber auch. Solch einen Ton hätte ich mir früher gegenüber meinen Eltern niemals erlauben dürfen.“

Caroline schwieg betroffen. Sie spürte, dass sie mit ihren Argumenten heute nichts erreichen würde.

„Zur Strafe bleibt heute der Fernseher aus“, sagte der Vater verärgert. 

Dicke Tränen liefen über Carolines Gesicht.

„Haustier, Haustier, - ich höre immer nur Haustier“, sagte die Mutter aufgebracht. „Hast du keine anderen Probleme? Was ist mit der Schule? Habt ihr schon die letzte Deutschklassenarbeit zurückbekommen?“

„Ja“, antwortete Caroline kleinlaut.

„Und?“

„Vier“, kam es leise über Carolines Lippen.

„Schon wieder eine Vier in Deutsch. Aber das Fräulein Tochter wünscht sich ein Haustier“, mischte sich jetzt der Vater erneut in das Gespräch ein.

„Weißt du was ich mir wünsche?“ fuhr er Caroline erbost an. „Dass du endlich die Schule ernster nimmst.“

Er hatte sich in Wut geredet.

„Andere Kinder lernen zu Hause. Und was machst du? Schaust immerzu nur deine komischen Tierbücher an. Alle Wände in deinem Zimmer hast du mit diesen hässlichen Tierfotos zugeklebt. Ich komme mir vor wie im Zoo. Was soll der ganze Quatsch? Wann wirst du endlich mal vernünftig?“

Caroline ließ die Vorwürfe wortlos über sich ergehen. Sie wusste, auch von ihrer Mutter hatte sie in dieser Frage keinerlei Unterstützung zu erwarten. Liebe zu Tieren konnten ihre Eltern einfach nicht verstehen. Für sie waren Tiere etwas zum Essen oder bestenfalls noch zum Anschauen, am Sonntag im Zoo. Caroline putzte sich die Nase. Vom vielen Weinen bekam sie kaum noch Luft. 

„Darf ich in mein Zimmer?“ fragte sie verzweifelt.

„Vorher wird noch der Tisch abgeräumt“, erwiderte ihre Mutter barsch.

Die Schule war heute schon eine Stunde früher aus.  Caroline zog sich auf dem Flur ihre rote Jacke an. Neben ihr stand Jessica, die heftig auf sie einredete:  „Warum wehrst du dich nicht, wenn Frau Siebert so unfair zu dir ist?“

„Was soll ich denn machen? Gegen die Lehrer hast du doch sowieso keine Chance“, antwortete Caroline.

„Das sehe ich anders“, fuhr Jessica fort. „Deine Antworten waren doch alle richtig. Wieso gibt die dir dann eine Vier?“

Caroline zuckte müde mit den Schultern.

„Lass es gut sein Jessica. Ich habe nun mal keinen Stand bei Frau Siebert.“

Sie schwang sich ihren Rucksack auf den Rücken und trabte los.

„Warte Caro, ich komme heute noch ein Stück mit dir mit“, rief Jessica hinterher. „Ich muss in der Apotheke noch was für meine Mutter abholen.“

Die beiden Mädchen verließen das Schulgebäude und schlenderten gemeinsam in Richtung Stadtpark. 

„Weißt du schon, dass Marie einen Neuen hat?“ setzte Jessica das Gespräch fort.

„Keine Ahnung. Interessiert mich aber auch nicht wirklich“, antwortete Caroline müde.

„Die hat vielleicht einen Verschleiß“, sagte Jessica. „Mit Paul, das hat nicht mal drei Wochen gehalten.“

„Bist wohl eifersüchtig?“ fragte Caroline ihre Freundin direkt.

„Ich? – Wie kommst du denn darauf? Paul ist mir so was von egal.“

„Warum redest du dann drüber? Mir ist er auch egal.“

„Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen. Was kann ich dafür, dass du heute so schlecht drauf bist?“ wehrte sich Jessica. „Was ist eigentlich los mit dir? Du bist doch sonst nicht so.“

Caroline schwieg eine Weile, dann erwiderte sie:

„Hatte Stress mit meinen Eltern, nur weil ich mir ein Haustier wünsche. Da beiße ich bei denen aber auf Granit. Die wollen das nicht und basta.“

Jessica hatte aufmerksam zugehört. Sie kamen im Stadtpark an einer Bank vorbei.

„Komm, lass uns eine Weile hinsetzen“, schlug Jessica vor.

Caroline holte eine Wasserflasche aus ihrem Rucksack und trank verärgert einen kräftigen Schluck.

„Sind deine Eltern immer so stur?“ fragte Jessica.

„Eigentlich nicht. Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, so wie in jeder Familie. Doch wenn es um Haustiere geht, sehen die sofort rot.“

Jessica kämmte sich die Haare.

„Und warum?“ fragte sie Caroline.

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